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Was wir erfahren und gelernt haben
Wenn wir heute etwas Neues leisten wollen, so muss die Vergangenheit nichts Langweiliges sein. Nur so viel wie nötig wird die Vergangenheit bemüht, um eine Basis und einen Ausgangspunkt für das Neue zu schaffen. Seit Jahrzehnten haben wir gelernt, aufzubauen. Neben all den Schwierigkeiten, die es nach dem Desaster des 2. Weltkrieges gab, war es überhaupt kein Problem, Wachstum zu erzeugen. Wachstum stellte sich quasi von selbst ein. Fast alles war zerstört. Fast alles musste aufgebaut werden. Fehler, die von der Politik, von der Wirtschaft oder auch im Privaten gemacht wurden, fielen kaum auf, denn kontinuierlich steigende Umsätze, Gewinne und höhere Löhne kompensierten alles. Das steigende Wachstum konnte noch nicht einmal mit den landeseigenen Arbeitskräften abgedeckt werden. Wir entwickelten und produzierten im eigenen Land so gut wie alles.
Hier musste ein Regulativ wirksam werden. Gut, dass es hierfür die Gewerkschaften gab und gibt. Im Zusammenwirken mit den Arbeitgebern und den Gewerkschaften entwickelte sich die Tarifpartnerschaft zur Sicherstellung der sozialen Marktwirtschaft. Die einzige Möglichkeit, die Arbeitnehmer an dem profitablen Aufschwung teilhaben zu lassen, waren zu Recht regelmäßige Lohnerhöhungen und andere soziale Verbesserungen. Dieses Werkzeug funktionierte hervorragend, und es war auch noch gerecht.
In Erinnerung sind uns persönlich, oder aus den Medien, die so genannten Wirtschafts-Wunderjahre. Im Laufe der ersten Jahrzehnte haben die Tarifpartner noch nicht einmal gemerkt, oder haben es bewusst übersehen, dass sich verschiedene Branchen aus unserem Lande verabschiedet hatten. Zum Beispiel wurden Textilien, Elektronik und andere lohnintensive Artikel, erst wenige, dann immer mehr, im Ausland gefertigt. Das war in den 60er und 70er Jahren nicht weiter problematisch, denn die Konjunktur war stark genug, um die entlassenen Arbeitnehmer anderweitig unterzubringen.
Das gut funktionierende Werkzeug, wie oben beschrieben, hat naturgemäß zur Folge, dass steigende Lohnkosten steigende Verbraucherpreise hervorrufen, und dies führt wiederum zu berechtigten Lohnerhöhungen und so weiter. Dieses Spiel kann man sich leisten, wenn Wachstum in der Höhe der 60er und 70er Jahre besteht. Schon in den 80er Jahren war der Vorrat an Wiederaufbau-Wachstum verbraucht. Jedoch das Werkzeug von damals wurde weiter verwendet. Bekannt sind uns steigende Arbeitslosigkeit, steigende Firmenpleiten, steigende Gesamtabgaben für Soziales und für andere Steuern und steigende Staatsverschuldung. Dummerweise führt dieser Kreislauf wieder zu den zuvor genannten Steigerungen.
Alle Eliten bemühen sich redlich um Abhilfe. Aber nur Symptome werden behandelt, Finanzen werden verschoben. Nochmals: Das Ergebnis ist bekannt. Einflüsse wie die Deutsche Einheit oder andere Faktoren dienen als einleuchtende Entschuldigungen, die aber verhindern zusätzlich die Arbeit an der dynamischen Gesamtveränderung.
Um sich besser in eine solche Veränderung hineinzufinden, biete ich im nächsten Kapitel eine Szenerie an, die uns zum natürlichen Denken zurückführen kann. 
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